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08.10.2010 von eb , - Comic-Art

Der Leistungsträger.


DIN-A2 Polychromos   Zum Vergr. anklicken.



Der Leistungsträger ist ein nicht gerade seltenes, aber dafür um so seltsameres Wesen. Irgendwie steht er immer unter Dampf. Das macht ihn nicht unbedingt schlecht, weil das wird schließlich von ihm verlangt. Und vor allen Dingen, - er ist stolz darauf. Stolz darauf, immer aktiv, dynamisch, flexibel, anpassungsfähig am Zahn der Zeit zu liegen, - und damit tatkräftig seine Leistungsfähigkeit zum Wohle des eigenen Geldbeutels, Ruhmes, und Ansehens, - zur Verfügung zu stellen.

Er ist ein positives Wesen. Selbst, wenn sein Blutdruck, (falls neben Kaffe noch so etwas wie Blut vorhanden ist ), oder sein Herzschlag, weit über den erträglichen Grenzen des normalen menschlichen Überlebensspektrums liegt, wird man bei ihm in den zur Maske erstarrten Gesichtszügen noch das Grinsen einer Barbie-Puppe wieder entdecken können. Dies gehört zum normalen positiven Lebensrythmus dieser marktökonomischen Unterordnung der Trockennasenaffen, welche es sich zum Ziel gesetzt haben, die Welt mit ihren zukunftsweisenden Paradigmen einer ökonomischen Religion der Superlative zu missionieren.

Der Leistungsträger ist ein gläubiger Mensch. Er glaubt an grenzenlose Zukunft, grenzenlose Marktwirtschaft, grenzenlosen Fortschritt und vor allen Dingen, - grenzenlosen Reichtum. Dafür macht er dies alles. Denn er glaubt tatsächlich daran, dass mit ausreichender Leistung, er selber irgendwann zu den Großmotzen der Welt gehört, die nicht mehr selber Leistung bringen müssen, sondern darüber einen Zustand erreichen zu können, wo man mittels Delegation anderer, sich einmal von der eigenen Leistung verabschieden kann.

Noch naivere Gemüter dieser Spezies, oft auch als Mittelschichtler bezeichnet, haben nicht so hoch gesteckte Ziele, sondern sind genügsamer. Sie träumen lediglich von einem tollen Haus, einem tollen Auto, einem tollen Handy und evtl. einer tollen Frau, (ungefähr in dieser Reihenfolge), - oder wenn der Leistungsträger eine Leistungsträgerin ist, - eben andersherum. Dass man in solchen Fällen, eben auch Leistung bringt, versteht sich von selber. Leistung ist alles. Leistung ist die Essenz des Lebens, die Essenz des Fortschritts, die Essenz des; "Alles ist möglich", und wer nix leistet, - der ist eben "faul". Punkt.

Und wenn dies mal zum Leistenbruch führt, dann hilft das positive Grinsen der Barbie-Puppe schon mal über den Bewegungsmangel hinweg, um danach mit neuer leistungsvergütender Leistungsleisterei, neuer Leistung leistende Leistungsbereitschaftschaft, leistend leidend, leistungslastig lustig und vor allen Dingen lachend lallend, dem lullend lobsingenden Lobpreisungen listiger Labsalber löblich auf den Leim zu laufen.

Denn vor lauter leistender Leistungsbereitschaft, hat zumindest der gemeine Leistungsträger keine Zeit sich darüber zu informieren, was die bereits delegierenden Oberleistungsmotze mittlerweile so alles mit ihm anstellen. Irgendwie passt der Wille nach Reichtum, und der Wille zur Leistung dazu, nämlich nicht so recht zusammen. Jedenfalls nicht für alle. Denn wer schon leistend Laberei als Leistung versteht, labert Leistungslastige lustig locker in den Leistungsnotstand hinein. Und der eine oder andere Leistungswillige übersieht gerne dabei, dass ihm der andere oder eine Leistungswillige, die Leistung zur halben Leistung leistend streitig macht. So sinkt bei doppelter Leistung die Leistung für die Leistung, während gleichzeitig die leistenden Nichtleister beständig leistend nach Leistung betteln, obwohl die politische Leistung zur Beschaffung von Leistungsmöglichkeiten genauso leistend abnimmt, aber dafür die leistende Leistungserhöhung bei gleichzeitiger Leistungsenkung zum Leistungsausgleich ebenso beständig abnimmt.

Zu kompliziert?
Na, - da bleibt doch immer noch das Barbie-Grinsen.

Denn der Leistungsträger liebt, wie bereits erwähnt, einfache Gedankengänge und Bewertungsmaßstäbe, welche dieses Grinsen ermöglichen. So leistet der, der leistet, wovon er selber immer der ist, der am meisten leistet, - und der der nicht leistet, ist faul. Und dies ganz unabhängig davon, welche Möglichkeiten zur Leistung vorhanden sind. So findet sich manch fleißiger Geselle, der ob seiner Möglichkeiten beraubt wurde, schon mal seinem eigenen Schatten gegenüber, der ihm grinsend und mit nicht gerade wenig hässlichen Worten, traurige Faulheit vorwirft.


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