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02.05.2012 von eb , - Allerlei Textliches

Seid doch nicht so pingelig.

Realsatire

bild Meine Güte, - jetzt muss ich auch noch so tun, als täte mir was leid. So ne Agenda ist eine feine Sache. Man überlegt sich was, macht einen Plan wie man das in einem zeitlich ab-steckbaren Rahmen Stück für Stück realisieren kann, - und hakt die Geschichte dann auch genauso Stück für Stück ab. Und ist das Ding dann fertig, - geht man zum nächsten Job. Dass die abgehakten Sachen dann noch anfangen zu maulen, - konnte ich doch nicht wissen. Gesundes Management und Projektbearbeitung erfordert nun mal konsequentes Durchziehen der Sache. Die Folgen, - kann man natürlich nicht absehen. Laut'n paar Studien der Bertelsmann-Stiftung, hätte das alles gut ausgehen sollen. Und die Arbeitgeber ham auch nichts anderes gesagt. Kann ich doch jetzt nix dafür. Und wenn doch, - Tschuldigung eben. Machen wir halt nen Mindestlohn. Ist ja nicht so, dass ich nicht schon immer dagegen war. Ich hab nur ne Agenda erfüllt. Was glaubt ihr denn, wofür so ein Bundeskanzler gut ist? Gut, - der kann mal eben so eine Mediendemokratie aus dem Hut zaubern, den Mainstream über ein paar Girlfriends wie Friede und Liz über den Haufen nageln, den Arbeitsmarkt und das Sozialsystem umkrempeln, den Finanzheinis und Arbeitgebern ein bisschen was unter die Arme greifen, das Gesundheitswesen durch die medizinisch verantwortliche Dame des Hauses in Grund und Boden stampfen, und noch ein paar Extrakleinigkeiten, die, wie ich hörte, ebenfalls ein bisschen was für Unmut im Banken- und Finanzsystem gesorgt hatten. Das ist alles. Mehr is nich drin. Neben so einem Arbeitsmarktreförmchen, hat man noch ne Menge anderer Sachen zu erledigen. Ebenfalls nach Plan, - versteht sich. Ganzheitliche Wirkungslogik, - und so. Na, ihr wisst schon. Also jetzt mal ehrlich Leute. Meint ihr etwa, das war mein Plan? Ich fand's nur gut, - weil man damit den Wettbewerb ankurbeln konnte. In jeder Hinsicht. Dass die Arbeitgeber so egoistisch sein würden, konnte sich unsereiner doch nicht vorstellen. Wir fanden die alle ganz nett. Haben uns ja sogar geholfen und beraten. Meine ganze Truppe damals, - hat die nett gefunden. Seit Ludwig Erhards Neolallallalib-Gedöhns, glaubten schließlich alle, dass der Markt von sich aus sozial ist. Ganz besonders die Profiteure darin. Sonst hätte sich doch nie ne alte Druckerei weltweit zu einem der größten Medienimperien entwickeln können, der sich Deutschlands halben Fernseh- und Zeitungspark unter den Nagel reißt.

Selbst die Gegenseite hat die nett gefunden. Fragt mal Münte. Oder erst recht Ulla Schmidt. Und das mit dem Wettbewerb, hat doch nun wirklich hin gehauen. Jeder Energie-, Chemie-, Pharma-, Kaugummi- und Klinikriese bemüht sich doch nun wirklich fleißig darum, sich mit den anderen im Wettbewerb zu messen, wer die meisten von dem schlucken kann, was irgendwie kleiner ist wie man selber. Und einiges ist sogar richtig schön übersichtlich geworden. Schaut euch nur mal den riesigen Privatisierungserfolg im Gesundheitswesen an. Good old Ulla, hätte in die Hände geklatscht, wenn sie in absehbarer Zeit nur noch mit zwei oder drei Krankenhäusern hätte reden müssen. Vielleicht sogar irgendwann nur noch mit einem. Ist immer einfacher, nur ein paar davon bedienen zu müssen, - als alle. Das ist ähnlich wie schlanker Staat und so. Nicht viel, aber groß. Nur jetzt eben auf dem Markt. Naja, - Ansichtssache. Unter den Mitarbeitern, - herrscht da aber mit Sicherheit Wettbewerb. Dafür hab ich nämlich gesorgt. Das könnt ihr mir glauben. Und dass die Geschichte mit der Rente, nicht ebenfalls ein paar Leute glücklich gemacht hat, könnt ihr mir jetzt auch nicht grade vorwerfen. Also, - alles in Butter Freunde. Bleibt locker. Ihr müsst das positiv sehen. Da könnt ihr euch ruhig ein Beispiel bei den Konservativen abholen. Die machen das sogar noch mit Gottvertrauen. Die nächste Agenda kommt bestimmt. Da könnt ihr sicher sein. Europa liebt schließlich deutsches Agenda- und Trendsetting aus bewährten Arbeitgeber- und arbeitgeberfreundlich privatisierten Soziologenstuben. Und auch dann, werdet ihr wie die Hamster an der Glotze hängen, die Buchstaben von Kai dem Diekmann auswendig lernen, ( is ja nun wirklich nich schwer ), bei RTL lernen wer die Schuldigen sind, durch Talk-Shows das Kopfnicken nicht verlernen - und begeistert; "Wir sind Endzeit" singen. Und der kleine Budenzauber, den ich mir geleistet habe, ist dann Schnee von gestern.


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