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13.04.2012 von eb , - Artikel

War of contents.

Hihi, - das Ganze, ... scheint sich bitter zu einem Grabenkrieg zwischen zwei Extremen zu entwickeln. "Nehmt das, ihr verdammten Piraten und Anti-Acta-Bewegten", meint da glatt einer dieser Facebook-Adepten mittlerer Hirnrindenaktivitäten. Jetzt warte ich automatisch auf; "Nehmt das, ihr verdammten Anhänger der Ausbeuterei von Urheberrechten anderer und entsprechender Contentkontolle," ..... "Nehmt das, ihr Idioten, die ihr euch sinnlos am Grabenrand zugunsten der Interessen anderer abschleifen lasst." - wäre wohl der sinnvollere Grabengesang. Was soll's. Schlachtengesang und Wolfsgeheul an allen Fronten. Die totale Verteidigung des Alten auf der einen- und die absolute Verteidigung des Nichts, - auf der anderen Seite. Und keine Sorge, - dass dieser Sängernatur gerade nichts besseres eingefallen ist, als uralten verkrusteten Strukturen bewusst oder unbewusst nach dem Maul zu wüten, - ist auch mir bewusst. Also, - liebe Pawlowsche Hunde, - pflegt euer Gebiss. Dass hier ausgerechnet sogar die werbestrategische; "Buy your friends" - Kultur, auf dem Ober-content-Klau; "facebook", für Internet-Kritik herhalten muss, birgt zudem eine besonders groteske Variante gelungener Satire in sich. Auch, dass der Mann ein wirklich abstruses und höchst eigenwilliges Kunstverständnis hat, - ist mir nicht entgangen. Für mich ist z.B. auch Straßenmusik, - durchaus Kunst. Den Erfolgreichen etablierter Strukturen zuzuhören, entspricht ungefähr dem Bewusstsein von Leuten, die bei Amazon Bücher wie z.B.; "in einem Monat zum Buchmillionär", - kaufen, dann glatt noch mit dem Schreiben anfangen, - und sich später wundern, dass die Realität irgendwie anders aussieht. Ob der Kerl nun Erfolg hat oder nicht, interessiert mich dabei aber überhaupt nicht. Gerade populäre Leute, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. - Fehlanzeige. Blöderweise, spricht der Mann mit dieser Argumentation, eindeutig gegen diese verkrusteten Strukturen, die er selber verteidigt. Und merkt das nicht mal. Zudem sollte er sich einfach etwas besser über die Dimensionen seines eigenen Marktes und die realen Chancen, - z.B. auch durchaus für Straßenmusiker informieren, - bevor er hier die große King-Käse-Glocke raus hängt. Und was mich selber betrifft, - hihi, - ich liebe es geradezu, - (Nicht)Kunst als exzentrisches Hobby zu betreiben ;-) Aus purem Protest gegen das, was dieser Herr hier ohne jedes Nachdenken besingt. Im Elfenbeinturm, ist es immer einfach, Wutanfälle zum eigenen Gunsten zu zelebrieren. The Show must go on.

Doch das Schlimme ist einfach, dass ich bezüglich der Verlogenheit der Piraten, dem Mann leider auch absolut zustimmen muss. Dies geht sogar bis in den unmittelbaren privaten Rahmen hinein. Bis auf eine einzige wirklich mehr als intelligente Ausnahme darin, welche diesem Umfeld mittlerweile auch den Rücken gekehrt hat, - kommen aus dieser Ecke auch nur Phrasen, hoch-ideologische Spontanreaktionen und Netzliedergesänge mit den immer gleichen abgedroschenen Parolen, - welche aber bei Mac-Apps und Spielekultur, - merkwürdigerweise dann eine mehr als doppelmoraline und wirklich eigentümlich scheinheilige Haltung an der Kasse einnehmen. Wo ich dem Mann ebenfalls recht geben muss, ist die generell ständig spürbare, ignorante mentale Einstellung unter diesem Fußvolk der sogenannten Befreier des Inhalts. Auch mein Empfinden, deckt sich schmerzlich mit seiner Aussage, dass es für diese Leute anscheinend keine Kultur- und Kunstschaffenden gibt, - sondern lediglich deren frei abgreifbare Resultate. Aber auch diese wieder mit dieser scheinheiligen Separation bezüglich eigener Vorlieben und Geschäftsfelder. Auch die ständige aufgeblasene Überprofilierung als Fachleute des Internets, - geht mir mittlerweile, zwecks fehlender realer Grundlage dahinter, - einfach nur noch auf den Nerv. Die wirklich ernst zu nehmenden Kompetenzen hier, schaffen es zumindest eindeutig zu einer etwas differenzierteren Sicht. Auch daran, könnte man bezüglich einer etwas arg zentrierten Sicht aus dem Entwicklerambiente für Software heraus, - herummäkeln. Was ich aber nicht tue, - denn mehr als erfreulicherweise, geht das Ganze ja anscheinend auch ohne dieses ideologische Grabenbrandgeschrei von beiden Seiten.

Unsereinem ist hier wircklich mehr nach brauchbaren Verhältnißmäßigkeiten zumute. Diese schier unglaubliche Ignoranz der selbst ernannten Netzaffinen, ist genauso wenig auszuhalten, wie das ständige Verschlafen neuer Möglichkeiten und Veränderungen auf beiden Seiten. Ja, - absolut richtig, - auf beiden Seiten. Oder sieht irgendjemand auf piratöser Seite etwas anderes, - als pures Nichtstun und Abwarten darauf, dass ein Markt auf dem I-Net alles von selber regelt? Das mit den Selbstheilungskräften von Märkten, - hatten wir doch schon mal, - oder? Auf der anderen Seite, hat anfangs erwähnter Sängerknabe, mit seinen kleinen unabhängigen Platten-Labels recht, - und auch wieder unrecht. Dass die kleinen unabhängigen Buch-Verlage z.B., ohne das Internet gar nicht möglich gewesen wären, scheint ihm, auch als Hörbuchautor, irgendwie entgangen zu sein. Oberfläche bis zum Abwinken, - auf beiden Seiten. Im wahrsten Sinne des Wortes Grabenkriegsreif.

Mit Free-Content, kann man genauso Profit zu Lasten der Urheber machen, wie nach herkömmlichem Muster. Und mehr wie Profiteure, werden auf beide Arten, auch nicht herauskommen. Aber leider nicht zugunsten derer, welche die reale Arbeit machen. Die Anbiederung der wenigen Erfolgreichen im herkömmlichen Ambiente, ist da genauso wenig hilfreich, wie Nullschutz für die, denen nichts anderes als das Internet bleibt. Deshalb macht es durchaus Sinn, wenn die Lieferanten von Inhalten, dies selber in die Hand nehmen, - oder zumindest steuernd mitwirken. Die Piraten gehören ganz bestimmt nicht dazu, - denn mehr wie ideologisches Geschrei, kommt da genauso wenig, wie aus des Erfolgreichen selbstgefälligem Gezeters. Die Welt besteht zudem nicht nur aus jungen Kultur- bzw. Kunstschaffenden. Ebenso wenig aus Leuten, die sich direkt oder schon ewig auf dem Netz zu Hause fühlen. Es gehört einfach nicht alleine ausschließlich selbsternannten Anti- oder Pro-Experten davon. Wenn eine sonstige politische und auch kulturelle Richtung die Geschichte total verschlafen hat, bedeutet das jetzt noch lange nicht, dass irgendwelche Schiffbrüchigen mit Wahl- oder Musikerfolgen, jetzt die große selbstgefällige Sau raus hängen lassen dürfen. Im Ernst, - das Internet ist größer, - und in beiden Fällen, auch größtenteils älter als ihr.

Dass jetzt ausgerechnet Teile der Kultur- und Kunstschaffenden, einfach genauso reaktionär reagieren, darf man getrost einmal ihrer Abhängigkeit gegenüber dem Alten und mangelnder Auseinandersetzung mit Veränderungen zur Last legen, - wie aber auch der kompletten Ignoranz eines Neuen, - welches sich weder um brauchbare Ideen noch echte Alternativen kümmert. Und sogar stattdessen, - die Sache auch noch mit genauso eigennützigen zwei Paar Schuhen betrachtet, - wie das Alte. Beides, - ist einfach nicht mehr glaubhaft. Und nicht weniges davon, erinnert zudem schwer an die pawlowschen Hunde von jeweils einer Grabenseite, innerhalb eines genauso entarteten Klimakrieges. So alte Relikte wie Tatort-Drehbuchschreiber, Großverlage und Vorstände einer Musikindustrie, - sind hier genauso wenig als Berater brauchbar, wie vollkommen digitalisierte Nullfliegen, aber heftiger Doppelmoral mit politischen Ambitionen auf der anderen Seite. Der mangelnde über-bequeme Wille sich auf neue Strukturen einzulassen, ist hier genauso spürbar, wie auf der anderen Seite, nur noch "content" nach Eigengeschmack, aber nicht mehr die Menschen dahinter zu sehen. Und wenn, dann allenfalls nur noch virtuell.

Beides macht einfach keinen Sinn. Neues ist nicht automatisch berechtigt, gleich radikal alles Alte auszumerzen. Und der Sinn von Altem ist es nicht, jedem Neuem durchs fest geklebte Hinterteil am gewohnt Altbackenen zu begegnen. Beides nutzt immer nur dessen Verteidigern und Profiteuren davon, aber bestimmt nicht denen, die letztendlich die Arbeit machen. Wünschenswert wäre, - wenn sich aber genau die darüber streiten, - und es in die Hand nehmen würden. Dies aber dann doch mit dem Willen gesegnet, wenigstes zu versuchen alle dabei mitzunehmen, und nicht nur sich selber, bzw. den eigenen Platten- Buch- oder Appvertrag mit eigener I-Klitsche. Dafür werden weder Vorstände einer entsprechenden Industrie oder Leithengste eines Literatur- Musik-, bzw. Kunstmarktes benötigt, - noch Spielefreaks, Wahllos-Kopierer aus purem Spässle heraus, - und dies sehe ich auch so, - schon mal gar keine Piraten. Es sei denn, die werden über Ernsthaftigkeit und durch Beseitigung der eigenen Doppelmoral, mal irgendwann wirklich glaubhaft. Wenn ich tatsächlich aus dem ur-eigensten Inneren heraus argumentieren würde, müsste ich sogar etwas schreiben, wobei ich mich wirklich mehr als unwohl fühle. Dann wären mir erstere, obwohl ich die Verwurstung von Künstlern mehr als hasse, nämlich lieber als letztere. So traurig dies ist, - aber die sehen immerhin noch einen monetären Wert in den Erzeugern von Inhalten. Was diesen, wenigstens noch ansatzweise einen Hauch von Einfluss gewährt. Letztere sehen überhaupt nichts mehr, - außer irgendeinem "content" und sich selber, - nebst dieser kindischen Netzromantik, - Arm in Arm mit netz-affiner Marktradikalität. Deshalb läuft das auf einen puren Grabenkrieg zwischen zwei Extremen, - aber den gleichen Profitgelüsten hinaus. Alte gegen neue Ausbeuterei. Ein alter Markt, gegen einen Neuen. Kommt das keinem bekannt vor? Damit ist niemandem gedient.

Ich sehe das schon auf uns zukommen. Contentkrieg auf dem Internet ;-) Jeder der nicht glasklar die Linientreue einer von zwei Seiten vertritt, wird von der anderen direkt als bezahltes Mietmaul der anderen Seite beschimpft. Kann sich noch jemand daran erinnern, was bei diesem Klima-Fiasko heraus gekommen ist? Zwei vollkommen vernagelte Seiten, haben nur eines erreicht. Nämlich das nichts passiert ist, - und alles so bleibt, - wie es immer war. Harren wir also der Wölfe, damit bloß nicht denen geholfen wird, die es wirklich betrifft. Die, welche keinen Plattenvertrag haben. Die, welche keinen Deal mit einem großen Buchverlag haben. Die, welche in keiner Galerie rum hängen. Die, deren Werke keine Steilprofite über Werbe- und PR-Strategien, nach entsprechend industrieller Vorlage versprechen. (Mit Hilfe des Internets auf beiden Seiten natürlich.) Aber trotzdem geklaut und weiterverkauft werden, - dass es kracht. Im Moment sehe ich nur, dass hier zwei Seiten, ernsthafte Probleme bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit, in Hinsicht ihres tatsächlichen Interesses an Kunst und Kultur, - außerhalb ihres eigenen Interessenhorizontes haben. Aber genügend Wölfe zum Mit-Heulen, - auf beiden Seiten.


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